Pflanzen in der Bibel

Seit 1965 hat die Martin-Luther-Gemeinde einen „Kurier“ in gedruckter Form! Seither hat sich einiges geändert, aber vieles ist auch gleich geblieben. Aktuell wird in einem 2-Monats-Rhythmus der Kurier an alle Haushalte in der Gemeinde verteilt. Hier können Sie die letzten drei Ausgaben als PDF noch einmal lesen.

Viel Spaß damit.

Feige (Ficus carica)

Rizinus

© Foto: Peter Smola / pixelio.de

„Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: Wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass der Sommer nahe ist. (Lukas 21, 29f) Die Feigen sind eine sehr große und vielgestaltige Pflanzenfamilie. Dazu zählen zum Beispiel unser wohl bekannter Ficus benjamina auf der Fensterbank oder der Gummibaum, der in keinem Wohnzimmer der 50er Jahre fehlen durfte. Sogar kletternde Feigen gibt es.“

Die essbare Feige wiederum zählt zu den ältesten, domestizierten Pflanzen überhaupt. Vermutlich war sie im gesamten Mittelmeergebiet heimisch und wurde vom Menschen weiter verbreitet. Es gibt zwei Gruppen, von denen die eine nur in einem komplizierten Vorgang von einem bestimmten Insekt bestäubt werden kann, während sich die andere Gruppe parthenokarp verhält, also ohne vorherige Befruchtung Früchte bildet (Ähnlich wie bei kernlosen Trauben). In der Bibel ist sie die am häufigsten namentlich erwähnte Pflanze – sogar die erste und einzige -, die im Garten Eden namentlich erwähnt wird (siehe das „Feigenblatt“ von Adam und Eva).

Klaus Feldhinkel

Rizinus (Ricinus communis)

Rizinus

© Foto: R K by Marco Barnebeck (Telemarco) - www.pixelio.de

„Da ließ Gott der Herr, einen Rizinusstrauch über Jona emporwachsen, der seinem Kopf Schatten geben und seinen Ärger vertreiben sollte. Jona freute sich sehr über den Rizinusstrauch. Als aber am nächsten Tag die Morgenröte heraufzog, schickte Gott einen Wurm, der den Rizinusstrauch annagte, sodass er verdorrte.“
Jona 4,6-7

Ja, genau! Diesmal geht es um den Rizinus, auch Wunderbaum oder Palma Christi genannt. Obwohl: Die Übersetzer dieser Bibelstelle sind sich nicht so ganz einig, ob bei Jona tatsächlich Ricinus communis gemeint ist, oder doch der Flaschenkürbis, der symbolisch besser zu Jona gepasst hätte. Selbst Martin Luther übersetzte die Pflanze als Kürbis, während neuere Übersetzer doch beim Wunderbaum bleiben.

Schauen wir uns doch die Pflanze mal genauer an: Es handelt sich um eine prächtige, schnellwachsende (siehe oben!) Pflanze, die bei uns aufgrund ihrer nicht vorhandenen Frosthärte nur einjährig gezogen wird. Immerhin kann sie selbst bei uns, ordentliche Dünger- und Wassergaben vorausgesetzt, etwa vier Meter hoch werden. In ihrer Heimat, den Tropen und Subtropen (Man ist sich wegen der langen Zeit, in der Rizinus schon in Kultur ist, gar nicht so sicher ob sie nun aus Afrika oder doch aus Ostindien stammt …) kann Ricinus communis schon mal Baumhöhen über zehn Meter erreichen. Neben den großen, bunt- ornamentalen Blättern bringt die Pflanze auch noch schöne zweigeteilte (Oben weiblich, unten männlich) Blütenstände hervor. Sogar die Samen sind hübsch farbig gemustert und verfügen noch über eine Besonderheit: an der „Bohne“ befindet sich ein kleines Anhängsel, auf das Ameisen ganz scharf sind. Die schleppen dann den Samen von der Pflanze weg, futtern das sogenannte Carunkula und lassen den Rest irgendwo liegen, wo der Same dann keimen kann.

Wieso aber ist die Pflanze denn schon den Ägyptern so wichtig gewesen, dass sie 4.000 v.Chr. die Samen sogar als Grabbeigabe verwendet haben? Nun, neben den Blättern, die als Wundverschluss benutzt wurden, hatte man es schon damals auf das aus den Samen gepresste Öl abgesehen. Es fand als Leuchtmittel ebenso wie als Heilmittel Verwendung, so zum Beispiel bei Hautausschlag, Kopferkrankungen und Verdauungsproblemen. Legendär ist allerdings der fatale Fehler des Botanikers Lonicerus, der in seinem Kräuterbuch von 1528 einen Trunk aus 30 zerstoßenen Körnern beschreibt, der den Magen reinigen soll. Fatal daran ist, dass schon der Genuss von drei Samen tödlich endet. Nein, essen sollte man die Samen keinesfalls! Aber auspressen, denn das darin enthaltene toxische Protein Ricin geht nicht ins Öl über, sondern bleibt im Presskuchen. Und dieses Öl hat es förmlich „In sich“ ! Es wurde zwar schon im Altertum als Lampenöl genutzt, hat aber in den folgenden Jahrhunderten noch an Bedeutung gewonnen. Es gehört zu den wichtigsten technischen Ölen der Erde und hat ein großes Anwendungsspektrum. Man nutzt es in der Kosmetik genauso wie in der Textil- und Lederindustrie. Die hohe Viskosität des Öles führte in den Dreißiger Jahren dazu, dass es bei Hochleistungs-Kolbenmotoren zur Schmierung genutzt werden konnte. Mercedes und Auto Union etwa, verwendeten es in ihren Rennwagen-Motoren. Sogar in Flugzeugmotoren konnte, und kann man es finden.
Falls nun jemand neugierig geworden ist und eine der zahlreichen Sorten von Ricinus im Garten oder auf der Terrasse haben möchte, dem sei gesagt dass man fast nur Saatgut bekommt- keine fertigen Pflänzchen. Andererseits ist die Aussaat gar nicht so schwer. Man sät im März/April in 11 cm Töpfe und bringt die Pflänzchen dann nach den Eisheiligen raus. Im Freien braucht der Rizinus einen warmen, sonnig- windgeschützten Platz und am Anfang viel, später etwas weniger Wasser. Das Düngen nicht vergessen und schon bekommt man eine prachtvolle Pflanze. Wer Bedenken wegen der giftigen Früchte hat, kann einfach den Samenstand vor der Reife entfernen. Das ist zwar schade, aber auf jeden Fall sicherer.

Klaus Feldhinkel

Aloe vera

Rizinus

© Foto: R K B by Tim Reckmann - www.pixelio.de

„Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund. Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist.“

Oha! Man kannte also damals schon die Aloe vera, die wir heute noch verwenden. Denn um keine andere kann es sich bei dem obigen Text handeln.
Die Familie der Aloen besteht zwar aus einer Vielzahl von Arten (ca. 250), aber nicht alle sind so gut zu verwenden wie die „Echte Aloe“ oder Aloe vera, wie sie botanisch heißt. Im arabischen Sprachraum bedeutet „aloe“ bitter. Da der Saft der Aloe-Arten genauso schmeckt, haben sich die frühen Botaniker auf diesen Familiennamen geeinigt. Das „vera“ ist nun wiederum lateinisch und bedeutet „Wahr“ und diese „Wahre“ oder „Echte“ Aloe hat man schon lange vor biblischen Zeiten als Nutzpflanze gekannt. Die heilende und gesundheits-unterstützende Wirkung der Pflanze nutzten schon viele Völker. Natürlich vorneweg die Ägypter. Die verwendeten sie zur Wundheilung und auch zur Einbalsamierung Verstorbener. Eine Sitte, die dann auch von Griechen, Juden und Römern übernommen wurde. Sogar Alexander der Große soll lebende Pflanzen bei seinen Eroberungszügen mitgeführt haben, um Wunden seiner Soldaten zu heilen. Nach und nach wurden dann noch etliche weitere Heilwirkungen hinzugefügt, so z. B. Magen- u. Darmbeschwerden, Gelenkschmerzen (so der Grieche Dioskurides), Gelbsucht und Migräne (Hildegard von Bingen) usw. bis hin zur Verhinderung von Haarausfall, wenn man den Saft mit Wein vermischt. (Würde mich schon mal interessieren, ob man das innerlich oder äußerlich anwendet ……?)

Sei‘s drum; die Aloe vera ist eine prima Zimmerpflanze, die man im Sommer gut draußen aufstellen kann. So sieht der Balkon gleich viel „urlaubsmäßiger“ aus.
Da durch Blattstecklinge leicht vermehrbar, kann man sie auch lieben Freunden weiterreichen. Was will man mehr?

Klaus Feldhinkel

Papyrus (Cyperus papyrus)

Rizinus

© Foto: Dieter Schütz_pixelio.de

„Dann werden die Augen der Blinden geöffnet, auch die Ohren der Tauben sind wieder offen. Dann springt der Lahme wie ein Hirsch, die Zunge des Stummen jauchzt auf.
In der Wüste brechen Quellen hervor und Bäche fließen in der Steppe. Der glühende Sand wird zum Teich und das durstige Land zu sprudelnden Quellen. An dem Ort, wo jetzt sich die Schakale lagern, gibt es dann Gras, Schilfrohr und Binsen.“
Jesaja 35, 5-7

Eigentlich hatte ich ja vor nur etwas über die Pflanze Papyrus (Cyperus papyrus) zu schreiben, aber bei der Recherche zu dieser Sumpfpflanze stieß ich auf das interessante Thema „Wasser“ in der Bibel. Und fand, dass man das gut zur Einleitung brauchen kann.
Gleich zu Beginn der Schöpfungsgeschichte kommt dem Wasser ja eine tragende Rolle zu. Einerseits muss es gebändigt und geteilt werden, andererseits sind die Meerestiere mit bei den ersten Geschöpfen, die erschaffen werden. In der Bibel finden wir viele unterschiedliche Eigenschaften des Wassers beschrieben: Einmal das lebenspendende Element, ohne das kein Leben, wie wir es kennen möglich wäre, aber auch das zerstörerische, wie bei der Arche Noah oder dem Auszug aus Ägypten.
Wasser hat immer beides! Es gibt stets ein Zuviel und ein Zuwenig.
Wenn wir uns das Heilige Land ansehen, bemerken wir viele Wüsten und Steppengebiete, in denen Wasser auf lange Sicht Mangelware ist. Dies fließt ein in die Schriften (siehe oben!). Es gibt in der Genesis die Paradiesflüsse oder bei Johannes 4, 1-26 den Jakobsbrunnen und das lebendige Wasser. Oder Moses, der Wasser aus einem Felsen schlägt.
In vielen Bibelgärten zählt das Wasser zu den zentralen Gestaltungselementen, sind doch Wasser- und Sumpfpflanzen in über 200 Arten in Israel und Palästina vertreten.
Leider haben wir da wieder das zentrale Problem der alten Schriften: Manche Pflanzen haben mehrere Namen, andere werden nur vage beschrieben, wieder andere mussten aus Gründen der Verständlichkeit umbenannt werden. In der Bibel tauchen häufig die Begriffe „Schilf“, „Rohr“ oder „Halm“ auf. Wahrscheinlich sind dies einfach nicht näher beschriebene Sumpfpflanzen.
Kommen wir nun doch noch zum eingangs erwähnten Papyrus!
Das hebräische Wort „gomeh“, das öfter in der Bibel vorkommt, wird von verschiedenen Übersetzern verschieden wiedergegeben: Mal als Schilfrohr, als Papyrus oder nur als Rohr. Wobei vermutlich immer Papyrus gemeint ist. Cyperus papyrus ist tatsächlich eine äußerst praktische Pflanze. Wir kennen ja die Verwendung als Papier, Papyrus ist aber viel mehr als das! Man kann es sogar essen, wie Herodot berichtet. Oder Schiffe daraus bauen. Der Norweger Thor Heyerdahl brachte es 1970 mit seinem Papyrus-Boot Ra II sogar fertig, von Nordafrika aus, bis nach Amerika zu segeln. Zudem kann man viele Dinge des täglichen Gebrauchs daraus anfertigen; etwa Stricke, Matten, Körbe oder Sandalen, wie sie im Grab Tut-anch-amuns gefunden wurden.
Am bekanntesten ist uns aber schon die Verwendung als Schreibmaterial! Plinius der Ältere (23-79 n.Chr.) überlieferte einen Originalbericht zur Herstellung. Die dreikantigen Stängel hat man entrindet und dann das so gewonnene Mark in Streifen zerschnitten, übereinander gelegt und festgeklopft. Der austretende, stärkehaltige Pflanzensaft verbindet dann die Streifen. Nach dem Trocknen konnte man dann die entstandenen Blätter wiederum zu 3 – 6 m langen Rollen verkleben. Leider ist Papyrus nicht sehr widerstandsfähig gegen mechanische Einwirkungen, Insektenfraß oder Feuchtigkeit, sodass es nach und nach vom Pergament verdrängt wurde. Immerhin blieb es bis zum Ende des 3. Jahrhunderts das bevorzugte Schreibmaterial, auf dem auch die Originaltexte der Evangelien geschrieben waren. Ach ja: Auch unser Wort „Papier“ kommt natürlich von Papyrus.
Wenn man bei uns Papyrus sehen möchte, geht man am besten in einen Botanischen Garten. Denn dieses tropische Gewächs ist erstens mit einer Höhe von ca. 3 Metern sehr stattlich und braucht auch noch rund ums Jahr hohe Temperaturen, die nie unter 12 Grad fallen sollten. Wer kann das schon daheim bieten? Dann lieber einen zierlicheren Vertreter der Gattung Cyperus für die Fensterbank. Vielleicht Cyperus alternifolius aus Madagascar?

Klaus Feldhinkel