Pflanzen in der Bibel

Seit 1965 hat die Martin-Luther-Gemeinde einen „Kurier“ in gedruckter Form! Seither hat sich einiges geändert, aber vieles ist auch gleich geblieben. Aktuell wird in einem 2-Monats-Rhythmus der Kurier an alle Haushalte in der Gemeinde verteilt. Hier können Sie die letzten drei Ausgaben als PDF noch einmal lesen.

Viel Spaß damit.

Rizinus

Rizinus

© Foto: R K by Marco Barnebeck (Telemarco) - www.pixelio.de

Da ließ Gott der Herr, einen Rizinusstrauch über Jona emporwachsen, der seinem Kopf Schatten geben und seinen Ärger vertreiben sollte. Jona freute sich sehr über den Rizinusstrauch. Als aber am nächsten Tag die Morgenröte heraufzog, schickte Gott einen Wurm, der den Rizinusstrauch annagte, sodass er verdorrte.
Jona 4,6-7

Ja, genau! Diesmal geht es um den Rizinus, auch Wunderbaum oder Palma Christi genannt. Obwohl: Die Übersetzer dieser Bibelstelle sind sich nicht so ganz einig, ob bei Jona tatsächlich Ricinus communis gemeint ist, oder doch der Flaschenkürbis, der symbolisch besser zu Jona gepasst hätte. Selbst Martin Luther übersetzte die Pflanze als Kürbis, während neuere Übersetzer doch beim Wunderbaum bleiben.

Schauen wir uns doch die Pflanze mal genauer an: Es handelt sich um eine prächtige, schnellwachsende (siehe oben!) Pflanze, die bei uns aufgrund ihrer nicht vorhandenen Frosthärte nur einjährig gezogen wird. Immerhin kann sie selbst bei uns, ordentliche Dünger- und Wassergaben vorausgesetzt, etwa vier Meter hoch werden. In ihrer Heimat, den Tropen und Subtropen (Man ist sich wegen der langen Zeit, in der Rizinus schon in Kultur ist, gar nicht so sicher ob sie nun aus Afrika oder doch aus Ostindien stammt …) kann Ricinus communis schon mal Baumhöhen über zehn Meter erreichen. Neben den großen, bunt- ornamentalen Blättern bringt die Pflanze auch noch schöne zweigeteilte (Oben weiblich, unten männlich) Blütenstände hervor. Sogar die Samen sind hübsch farbig gemustert und verfügen noch über eine Besonderheit: an der „Bohne“ befindet sich ein kleines Anhängsel, auf das Ameisen ganz scharf sind. Die schleppen dann den Samen von der Pflanze weg, futtern das sogenannte Carunkula und lassen den Rest irgendwo liegen, wo der Same dann keimen kann.

Wieso aber ist die Pflanze denn schon den Ägyptern so wichtig gewesen, dass sie 4.000 v.Chr. die Samen sogar als Grabbeigabe verwendet haben? Nun, neben den Blättern, die als Wundverschluss benutzt wurden, hatte man es schon damals auf das aus den Samen gepresste Öl abgesehen. Es fand als Leuchtmittel ebenso wie als Heilmittel Verwendung, so zum Beispiel bei Hautausschlag, Kopferkrankungen und Verdauungsproblemen. Legendär ist allerdings der fatale Fehler des Botanikers Lonicerus, der in seinem Kräuterbuch von 1528 einen Trunk aus 30 zerstoßenen Körnern beschreibt, der den Magen reinigen soll. Fatal daran ist, dass schon der Genuss von drei Samen tödlich endet. Nein, essen sollte man die Samen keinesfalls! Aber auspressen, denn das darin enthaltene toxische Protein Ricin geht nicht ins Öl über, sondern bleibt im Presskuchen. Und dieses Öl hat es förmlich „In sich“ ! Es wurde zwar schon im Altertum als Lampenöl genutzt, hat aber in den folgenden Jahrhunderten noch an Bedeutung gewonnen. Es gehört zu den wichtigsten technischen Ölen der Erde und hat ein großes Anwendungsspektrum. Man nutzt es in der Kosmetik genauso wie in der Textil- und Lederindustrie. Die hohe Viskosität des Öles führte in den Dreißiger Jahren dazu, dass es bei Hochleistungs-Kolbenmotoren zur Schmierung genutzt werden konnte. Mercedes und Auto Union etwa, verwendeten es in ihren Rennwagen-Motoren. Sogar in Flugzeugmotoren konnte, und kann man es finden.
Falls nun jemand neugierig geworden ist und eine der zahlreichen Sorten von Ricinus im Garten oder auf der Terrasse haben möchte, dem sei gesagt dass man fast nur Saatgut bekommt- keine fertigen Pflänzchen. Andererseits ist die Aussaat gar nicht so schwer. Man sät im März/April in 11 cm Töpfe und bringt die Pflänzchen dann nach den Eisheiligen raus. Im Freien braucht der Rizinus einen warmen, sonnig- windgeschützten Platz und am Anfang viel, später etwas weniger Wasser. Das Düngen nicht vergessen und schon bekommt man eine prachtvolle Pflanze. Wer Bedenken wegen der giftigen Früchte hat, kann einfach den Samenstand vor der Reife entfernen. Das ist zwar schade, aber auf jeden Fall sicherer.

Klaus Feldhinkel

Aloe vera

Rizinus

© Foto: R K B by Tim Reckmann - www.pixelio.de

„Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund. Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist.

Oha! Man kannte also damals schon die Aloe vera, die wir heute noch verwenden. Denn um keine andere kann es sich bei dem obigen Text handeln.
Die Familie der Aloen besteht zwar aus einer Vielzahl von Arten (ca. 250), aber nicht alle sind so gut zu verwenden wie die „Echte Aloe“ oder Aloe vera, wie sie botanisch heißt. Im arabischen Sprachraum bedeutet „aloe“ bitter. Da der Saft der Aloe-Arten genauso schmeckt, haben sich die frühen Botaniker auf diesen Familiennamen geeinigt. Das „vera“ ist nun wiederum lateinisch und bedeutet „Wahr“ und diese „Wahre“ oder „Echte“ Aloe hat man schon lange vor biblischen Zeiten als Nutzpflanze gekannt. Die heilende und gesundheits-unterstützende Wirkung der Pflanze nutzten schon viele Völker. Natürlich vorneweg die Ägypter. Die verwendeten sie zur Wundheilung und auch zur Einbalsamierung Verstorbener. Eine Sitte, die dann auch von Griechen, Juden und Römern übernommen wurde. Sogar Alexander der Große soll lebende Pflanzen bei seinen Eroberungszügen mitgeführt haben, um Wunden seiner Soldaten zu heilen. Nach und nach wurden dann noch etliche weitere Heilwirkungen hinzugefügt, so z. B. Magen- u. Darmbeschwerden, Gelenkschmerzen (so der Grieche Dioskurides), Gelbsucht und Migräne (Hildegard von Bingen) usw. bis hin zur Verhinderung von Haarausfall, wenn man den Saft mit Wein vermischt. (Würde mich schon mal interessieren, ob man das innerlich oder äußerlich anwendet ……?)

Sei‘s drum; die Aloe vera ist eine prima Zimmerpflanze, die man im Sommer gut draußen aufstellen kann. So sieht der Balkon gleich viel „urlaubsmäßiger“ aus.
Da durch Blattstecklinge leicht vermehrbar, kann man sie auch lieben Freunden weiterreichen. Was will man mehr?

Klaus Feldhinkel